Volatile Energiemärkte treiben Preise – Gasversorgung stabil

Die Entwicklungen im Nahen Osten und die derzeitige Beeinträchtigung der Straße von Hormus als wichtige LNG Handelsroute haben die globalen Energiemärkte in den vergangenen Wochen spürbar beeinflusst. Wie in früheren geopolitischen Spannungen zeigt sich auch aktuell, dass Energiemärkte sehr rasch auf Unsicherheit reagieren und sich unmittelbar in Preiserhöhungen niederschlagen.

Gleichzeitig bleibt die physische Versorgungslage stabil: Gas fließt weiterhin über die bestehenden Import und Transitrouten sowie seit Anfang April in die Speicher. Auch die meisten Endkunden haben feste Tarife mit Ihren Versorgern und spüren die Weltmarktschwankungen nicht.

Österreich als Drehscheibe im europäischen Gasverbund

Österreich ist Bestandteil des europäischen Gasverbundes und nimmt darin eine wichtige Transit‑ und Drehscheibenfunktion ein. Besonders relevant sind Transporte über die West-Austria-Gasleitung (WAG), die Pipelinegas aus Norwegen sowie LNG‑Mengen aus Terminals in Nordwesteuropa, via Deutschland nach Österreich und in die östlichen Nachbarländer bringen. Zudem wurden 2025 rund 10% der Importe über die Trans-Austria-Gasleitung (TAG) aus Italien angeliefert.

Gasinfrastruktur in Europa: verfügbar, vernetzt und genutzt

Im Vergleich zu 2022 verfügt Europa heute über deutlich ausgebaute LNG‑Importkapazitäten. Dadurch wurde zusätzlich Zugang zu globalen Gasmärkten geschaffen und die Flexibilität des europäischen Versorgungssystems erhöht. Ob und in welchem Umfang diese Kapazitäten genutzt werden, hängt jedoch maßgeblich von der globalen Verfügbarkeit von LNG sowie von den jeweiligen Markt‑ und Preisbedingungen ab.

Im Sommerhalbjahr 2025 entfielen laut „ENTSOG Summer Supply Review 2025“ rund 45 % der europäischen Gasversorgung auf Pipelinegas, wobei Norwegen der größte einzelne Lieferant blieb. In diesem Zeitraum leistete LNG mit einem Anteil von rund 38 % ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung Europas. Zu den wichtigsten weiteren Pipelinegasquellen zählen laut International Energy Agency („Gas 2025 – Analysis and Forecasts to 2030“) insbesondere Algerien und Aserbaidschan.

Quelle: ENTSOG Supply Mix Sommer 2025

Speicher 

Anfang April hat europaweit die Sommer‑Einspeicherperiode begonnen. Die Speicher starteten 2026 mit ca. 18 % niedrigeren Füllständen als im Vorjahr, liegen jedoch im Bereich des langjährigen Vorkrisenniveaus. Auf europäischer Ebene lag der Speicherfüllstand Anfang April 2026 bei rund 28 % (ca. 314 TWh) - in Österreich zum selben Zeitpunkt bei rund 35 % bzw. etwa 36 TWh und damit über dem EU‑Durchschnitt. Insgesamt stehen in Österreich rund 100 TWh an Speicherkapazität zur Verfügung. Davon entfallen 20 TWh auf die strategische Gasreserve des Bundes. 

Der österreichische Gasverbrauch lag 2025 bei rund 81 TWh (9% höher als im Jahr davor), wobei mehr als zwei Drittel des Bedarfs in der Heizperiode von Oktober bis März anfielen. In den kältesten Wintermonaten werden rund 10 bis 12 TWh Gas verbraucht. Die strategische Gasreserve entspricht damit in etwa dem Bedarf von zwei kalten Wintermonaten in Österreich. Die Bedeutung strategischer Vorsorgemaßnahmen wird auch auf staatlicher Ebene unterstrichen: Aktuell bereitet das Wirtschaftsministerium ein Versorgungssicherheitspaket Gas vor, das unter anderem die Verlängerung der strategischen Gasreserve vorsieht.

Der ENTSOG Summer Supply Outlook 2026 zeigt, dass das europäische Gassystem ausreichend flexibel ist, um die Speicher bis zur kommenden Heizsaison zu befüllen. Voraussetzung dafür ist eine frühe und gleichmäßige Nutzung der Infrastruktur – insbesondere der LNG‑Importkapazitäten und der Fernleitungen. Der tatsächliche Verlauf der Einspeicherung wird aber maßgeblich durch Markt‑ und Preisentwicklungen bestimmt. ENTSOG zeigt in Szenario-Analysen auf, dass unter ungünstigen Bedingungen regionale Belastungen möglich sind, insbesondere in West‑Ost‑Korridoren und Teilen der CEE‑Region. Gas Connect Austria liegt mit dem Bau des WAG Loop 1 genau richtig, um mehr Gas in die Region transportieren zu können.

Auch der europäische Verband der Gas‑Infrastrukturbetreiber GIE, weist in seiner Studie „Securing Future Supply“ vom März 2026 darauf hin, dass Speicher eine zentrale Versicherungs‑ und Flexibilitätsfunktion im Energiesystem erfüllen – nicht nur für die Gasversorgung, sondern auch für die Stromversorgung, etwa durch flexibel einsetzbare Gaskraftwerke.

Einordnung: Infrastruktur schafft Handlungsspielräume

Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen führen zu erhöhter Unsicherheit und Preisvolatilität an den Energiemärkten. Gleichzeitig zeigt sich, dass die europäische Gasinfrastruktur als integriertes System aus LNG‑Anbindungen, Transportnetzen und Speichern robust, leistungsfähig und auf Flexibilität ausgelegt ist.

Gerade in einem volatilen geopolitischen Umfeld bleibt Gas ein verlässlicher Bestandteil der Energieversorgung – dank langfristiger Planung, europäischer Vernetzung und Zusammenarbeit sowie eines verlässlichen Betriebs der Gasinfrastruktur.