Industriestrategie 2035: Wasserstoff forcieren

Mit der am 16. Jänner vorgestellten Industriestrategie schafft die Bundesregierung einen strategischen Rahmen zur Stärkung des Industriestandorts Österreich. Ziel ist es, Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und die Transformation in Richtung Klimaneutralität voranzubringen und Investitionssicherheit zu gewährleisten.

Wasserstoff und Netzinfrastruktur

Die Industriestrategie unterstreicht die Rolle von Wasserstoff als zentralem Energieträger der Industrie. Der Aufbau eines Wasserstoff-Fernleitungsnetzes bis 2035 wird angestrebt, das Industriecluster, Speicher sowie Import- und Transitkorridore miteinander verbindet und einen integrierten Wasserstoff-Binnenmarkt ermöglicht. In Österreich bildet der Aufbau eines Wasserstoff-Startnetzes die Grundlage für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Gas Connect Austria treibt mit konkreten Projekten diesen Aufbau voran. Mit H2 Backbone WAG + Penta West sowie H2 Backbone Murfeld sollen bestehende Fernleitungen umgewidmet und ausgebaut werden, um Österreich und damit Industriecluster an ein künftiges europäisches Wasserstoffnetz anzubinden.

Regulatorische und finanzielle Rahmenbedingungen

Der zeitgerechte Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur erfordert klare und praxis-taugliche Rahmenbedingungen. Das Wasserstoffpaket soll im überarbeiteten Gaswirtschaftsgesetz (GWG) die dafür notwendige Grundlage schaffen, insbesondere durch klare Regeln für Netzzugang, Tarifstrukturen, Genehmigungsverfahren und die Umwidmung bestehender Leitungen. Ebenso entscheidend sind geeignete Finanzierungsinstrumente für den Netzausbau sowie Maßnahmen zur Dämpfung der Netzkosten in der Hochlaufphase. Eine koordinierte Nutzung nationaler und europäischer Fördermittel trägt dazu bei, Investitionen auszulösen und die Kostenbelastung für Industrie und Endkunden zu begrenzen. Gas Connect Austria hat letztes Jahr als nationales Instrument zur Finanzierung die Einführung eines staatlich garantierten H₂-Hochlaufkontos vorgeschlagen.

Versorgungssicherheit und industrielle Transformation

Für eine sichere und resiliente Energieversorgung sowie die Gewährleistung der Netzstabilität sind neben dem Netzausbau weitere systemische Maßnahmen erforderlich. Die Industriestrategie sieht unter anderem vor, dass neue Erzeugungskapazitäten, wie z.B. wasserstofftaugliche Gaskraftwerke, geprüft und forciert werden. Ein vergleichbarer Ansatz zeigt sich auch in Deutschland, wo im Rahmen der Kraftwerksstrategie die Errichtung neuer Gaskraftwerke H2-ready geplant sind.

Darüber hinaus schafft die Aufhebung des Verbots von Carbon Capture and Storage (CCS) zusätzliche Möglichkeiten zur Emissionsminderung in energieintensiven „hard-to-abate“-Sektoren. In Kombination mit dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur können so industrielle Transformationspfade ermöglicht werden, die sowohl Klimaziele als auch Standort- und Versorgungssicherheit berücksichtigen.

Gas Connect Austria bringt dabei technische Expertise, bestehende Infrastruktur und langjährige Erfahrung als Fernleitungsnetzbetreiber ein. Die Industriestrategie setzt wichtige Impulse – entscheidend ist nun, diese durch verlässliche Rahmenbedingungen und eine rasche, koordinierte Umsetzung in die Praxis zu überführen.