EU-Netzausbaupaket: Worauf es jetzt ankommt

Das European Grids Package (EGP) ist ein zentrales Vorhaben der EU, um den Ausbau und die Modernisierung der europäischen Energieinfrastruktur zu beschleunigen. Ziel ist ein leistungsfähiges, grenzüberschreitendes Netz für Strom, Gas, Wasserstoff und CO₂ – als Rückgrat für Versorgungssicherheit, leistbare Energiepreise und die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Industrie.

Für Österreich ist das von besonderer Bedeutung: Als langjähriges Transitland im Herzen Europas bringt Österreich umfassende Erfahrung im Gastransport und Netzbetrieb ein. Mit der bestehenden Infrastruktur, insbesondere dem Verteilknoten Baumgarten, kann Österreich auch künftig eine Schlüsselrolle als Energiedrehscheibe für Mitteleuropa übernehmen, insbesondere beim Hochlauf von Wasserstoff. Damit diese Chance genutzt werden kann, braucht es vor allem Investitions‑ und Erlössicherheit für Netzbetreiber sowie schnellere Verfahren.

Unsere sechs Kernforderungen im Überblick:

  1. Planungssicherheit statt Verzögerungen
    Neue europäische Planungs‑ und Bewertungsinstrumente können langfristig sinnvoll sein, dürfen aber laufende Projekte nicht verzögern. Regulatorische Klarheit muss daher rechtzeitig geschaffen werden, damit Investitionsentscheidungen nicht aufgeschoben werden. Neue Methoden müssen vor entscheidenden Planungszyklen feststehen und verlässlich anwendbar sein.
     
  2. Faire Kostenverteilung im europäischen Netz
    Der Aufbau grenzüberschreitender Wasserstoffnetze bringt Nutzen und Kosten mit sich, die in der Regel ungleich verteilt sind – zulasten von Transitländern wie Österreich. Es braucht daher einen dynamischen Kostenverteilungsmechanismus, der an tatsächliche Nutzenverhältnisse gekoppelt ist und sich im Zeitverlauf an veränderte Marktentwicklungen anpasst.
     
  3. Zentrales EU‑Szenario? Nur mit Risikoabsicherung
    Ein gemeinsames europäisches Szenario für den Wasserstoffhochlauf kann Orientierung geben – vorausgesetzt, es wird transparent entwickelt und findet breite Akzeptanz. Entscheidend ist: Investitionsrisiken dürfen nicht allein bei den Netzbetreibern liegen. Ein zentrales EU‑Szenario braucht daher verbindliche De‑Risking‑Instrumente, etwa EU‑Garantien, die Erlösrisiken in der Hochlaufphase abfedern und Investitionen ermöglichen.
     
  4. SoutH2 Corridor als strategischer Energy Highway
    Der SoutH2 Corridor verbindet künftige Wasserstoff‑Importregionen mit industriellen Zentren in Mitteleuropa und setzt dabei auf die Nutzung bestehender Infrastruktur. Österreich ist als Transitland über das Projekt „H2 Backbone WAG + Penta West“ von Gas Connect Austria in diesen Korridor eingebunden. Damit der SoutH2 Corridor seine Rolle für Versorgungssicherheit, Diversifizierung und Dekarbonisierung voll entfalten kann, sollte er im EU‑Netzausbaupaket bei Förderungen, Garantien und Genehmigungsverfahren prioritär behandelt werden.
     
  5. PCI‑Status: Kontinuität sichern
    Die geplante Vereinfachung beim PCI‑Status ist ein wichtiger Schritt. Projekte sollten ohne wiederholte Neubewertung fortgeführt werden können, solange sie den EU‑Zielen entsprechen. Gleichzeitig braucht es eine stärkere Verknüpfung des PCI‑Status mit Förder‑ und Beschleunigungsinstrumenten damit diese Projekte auch schneller real umgesetzt werden können.
     
  6. Schnellere Genehmigungen – strukturell angepasst und rechtssicher
    Beschleunigte Genehmigungsverfahren sind notwendig, dürfen aber nicht zulasten von Rechts‑ und Planungssicherheit gehen. Verfahrensvereinfachungen, klare Zuständigkeiten und ausreichend Ressourcen bei den Behörden sind dafür unerlässlich. Besonders wichtig ist, dass auch die Umrüstung bestehender Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff und CO₂ von Beschleunigungsinstrumenten profitiert.

Das European Grids Package kann zu einem echten Beschleuniger der Energiewende werden – wenn Investitionen abgesichert, Verfahren effizient gestaltet und die Rolle von Transitländern anerkannt wird. Österreich hat das Potenzial, eine zentrale Rolle im europäischen Wasserstoffsystem einzunehmen. Dafür braucht es jetzt einen klaren, verlässlichen und investitionsfreundlichen Rahmen.

Eine vertiefende Analyse sowie unsere konkreten Forderungen zur Ausgestaltung des European Grids Package finden Sie in unserem ausführlichen Positionspapier.