30 Jahre Hungaria–Austria-Gasleitung

1994 wurde mit dem Bau der Hungaria–Austria-Gasleitung begonnen und 1996 folgte die Inbetriebnahme. Die Leitung verfügt über einen Durchmesser von 70 Zentimetern und kann mit einem Betriebsdruck von bis zu 70 bar betrieben werden. Die Gesamtlänge erstreckt sich über rund 120 Kilometer, davon rund 46 Kilometer auf österreichischer Seite bis zur ungarischen Grenze. Sie ist Teil des europäischen Fernleitungsnetzes und verfügt über eine technisch vermarktbare Kapazität am österreichisch-ungarischen Übergabepunkt Mosonmagyaróvár von rund 56 TWh pro Jahr. Damit leistete sie früh einen wesentlichen Beitrag zur Diversifizierung der Gasversorgung in der Region und bildet eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden europäischen Gasmarkt.
Die HAG ermöglicht Ungarn den Zugang zu unterschiedlichen Bezugsquellen, alternativen Lieferwegen sowie einen flexiblen Gasfluss innerhalb Europas. Als Teil eines eng vernetzten europäischen Transportsystems kann Gas – je nach Marktlage und Bedarf – über Österreich auch weiter in östliche Nachbarländer wie die Ukraine transportiert werden. Ihre Bedeutung zeigt sich auch in der aktuellen Nutzung: Im Jahr 2025 flossen rund 30 TWh Gas über die HAG von Österreich nach Ungarn - das entspricht rund 69 % der gesamten österreichischen Gasexporte im Fernleitungsnetz.
Eine Pipeline mit Geschichte
Der Bau der Hungaria–Austria-Gasleitung war jedoch nicht nur ein technisches Großprojekt. Entlang der Trasse kamen im Zuge archäologischer Begleituntersuchungen bedeutende Funde zutage, die Einblicke in mehrere Jahrtausende Besiedlungsgeschichte ermöglichen.

©BDA, M. Oberer, C. Mayer, P. Kolp
Besonders im Bereich von Kittsee (Burgenland) traten außergewöhnlich dichte Fundschichten zutage. Nachgewiesen wurden Siedlungs- und Bestattungsreste aus nahezu allen prähistorischen Epochen – von der Jungsteinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis hin zur römischen Kaiserzeit und zum frühen Mittelalter. Freigelegt wurden unter anderem Hausgrundrisse, Gruben, Keramikgefäße, Werkzeuge sowie zahlreiche Gräber.

©BDA, M. Oberer, C. Mayer, P. Kolp
Auch im Raum Baumgarten an der March (Niederösterreich) brachte der Leitungsbau bedeutende Entdeckungen. Dort konnten Reste mehrerer vorgeschichtlicher Siedlungen dokumentiert werden, darunter rekonstruierbare Hausbauten sowie spätere Bestattungen aus der Bronze- und Eisenzeit.
Während ab 1994 eine Pipeline für die Energieversorgung entstand, wurden gleichzeitig Spuren menschlicher Geschichte aus über fünf Jahrtausenden sichtbar gemacht. Die archäologischen Untersuchungen und Ausgrabungen wurden von der Abteilung für Archäologie (vormals Abteilung für Bodendenkmale) des Bundesdenkmalamtes wissenschaftlich begleitet. Aufgrund der außergewöhnlichen Bedeutung und Dichte der Funde gab das Bundesdenkmalamt mit Unterstützung der damaligen OMV Erdgas die Broschüre „Hungaria-Austria-Gasleitung – Die Pipeline durch fünf Jahrtausende “ heraus.
Verlässlichkeit über Generationen hinweg – und der Blick in die Zukunft
Seit über 30 Jahren hat sich die Hungaria–Austria-Gasleitung als robuste und sichere Transportachse bewährt. Das Jubiläum ist Anlass zum Rückblick – vor allem aber auch zum Blick nach vorne. Vor dem Hintergrund des REPowerEU-Beschlusses, der einen vollständigen Ausstieg aus russischem Erdgas bis Ende 2027 vorsieht, gewinnen bestehende leistungsfähige Infrastrukturen zunehmend an Bedeutung. Die Hungaria-Austria-Gasleitung leistet damit auch künftig einen wesentlichen Beitrag zur regionalen und europäischen Energieversorgung.
