Am 08. Oktober fand im KELSEN im österreichischen Parlament der zweite NETZDIALOG: GAS.WASSERSTOFF statt. Gas Connect Austria und TAG GmbH, die beiden österreichischen Gasfernleitungsnetzbetreiber, begrüßten mehr als 80 Gäste aus Politik, Energie, Industrie und Beratung. In zwei spannende Panels wurden unterschiedliche Perspektiven zur zukünftigen Rolle der Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff und anderen erneuerbaren Gasen diskutiert.
Nach einleitenden Worten durch die Geschäftsführerinnen von GCA und TAG GmbH, Valerie Hackl und Isabella Pichler-Olearczyk, gab ENNOH-Präsident Christoph von dem Bussche Einblick in den Aufbau eines europäischen Wasserstoff-Marktes. Um die Entwicklung zu beschleunigen, komme es nun auf den Willen der Mitgliedstaaten an, den bestehenden europäischen Rechtsrahmen rasche in nationale Gesetzgebung zu gießen und umzusetzen. Damit verwies der ENNOH-Präsident auch auf Österreich, wo die EU-Richtlinie für erneuerbares Gas, Erdgas und Wasserstoff noch auf die Umsetzung wartet „Gaswirtschaftsgesetz“. Aufgrund der fehlenden Umsetzung hat die Europäische Kommission inzwischen die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens angekündigt.
Für TAG GmbH und Gas Connect Austria ist dieses Gesetz in mehrfacher Hinsicht zentral: Wer darf das Wasserstoffnetz nutzen, wie werden Bau und Betrieb des Netzes (re-)finanziert, wie werden die Kosten verrechnet und wer darf ein Wasserstoffnetz betreiben. Gleichzeitig müssen der Aufbau der notwendigen Infrastruktur und die Entwicklung des Wasserstoffmarktes auch länderübergreifend aufeinander abgestimmt und sichergestellt werden.
Unter der Moderation von Manuela Raidl diskutierten im Anschluss Christoph von dem Bussche, Wolfgang Anzengruber, Beiratsvorsitzender der Hydrogen Partnership Austria, Matthias Pastl von voestalpine, Krisenvorsorgeexperte Herbert Saurugg und Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Österreichs Energie, zum Thema. Europa bereite sich auf den Wasserstoffmarkt vor, betreffend sowohl die Infrastrukturbetreiber als auch die Industrie, so der Tenor. Österreich dürfe diese Entwicklung nicht verschlafen. Zwar gebe es Pläne, Wasserstoff auch innerhalb der EU zu produzieren, zur Deckung des europäischen Gesamtbedarfs werde die EU jedoch auf den Import erheblicher Mengen angewiesen sein. Hier kann Österreich von seiner strategischen Lage entlang der potenziellen Importkorridore aus dem Süden (ausgehend von Nordafrika) und aus dem Osten (ausgehend von der Ukraine) für grünen, also CO₂-neutral hergestellten Wasserstoff profitieren. Für die industrielle Produktion sei CO₂-neutral hergestellter Wasserstoff ein wesentlicher Hebel. Auf dem kontinuierlichen Weg zur Dekarbonisierung der Produktionsprozesse ist die Industrie sehr daran interessiert, ausreichende Mengen zu wirtschaftlichen Preisen zu bekommen. Ebenso in den Fokus genommen wurde die Frage, wie eine sichere Energieversorgung die Resilienz eines Staates, einer Gesellschaft oder einer Industrie beeinflusst.
Das zweite Panel war vollständig der Frage gewidmet, welche gesetzlichen Voraussetzungen die Politik schaffen muss, damit die Erdgasinfrastruktur von heute zur Infrastruktur für dekarbonisierte Gase von morgen werden kann. Damit zusammenhängend wurden auch Fragen der (Re-)Finanzierung, der Versorgungssicherheit während eines Transformationsprozesses und der Einbettung nationaler Infrastruktur im gesamteuropäischen Kontext angesprochen. Dazu diskutierten die Energiesprecher:innen der Parlamentsparteien, Laurenz Pöttinger (ÖVP), Alois Schroll (SPÖ), Stefan Gara (NEOS), Paul Hammerl (FPÖ) und Lukas Hammer (Grüne).
Einig war man sich darin, dass die österreichischen Gasleitungen auch in Zukunft unverzichtbar für die Energieversorgung Österreichs und Europas sein werden. Deshalb sollte ihre Bedeutung auch bei politischen Entscheidungen und bei der Umsetzung neuer EU-Vorgaben entsprechend berücksichtigt und mit hoher Priorität behandelt werden.
Abschließend zogen die Geschäftsführer von GCA und TAG GmbH, Stefan Wagenhofer und Daniele Gamba ein positives Fazit für die Zukunft. Mit gemeinsamer Anstrengung könne Österreich auch zukünftig eine Drehscheibenfunktion im europäischen Energiesystem wahrnehmen.
