Infrastruktur für grüne Energie in Europa


Die Europäische Union überarbeitet derzeit die Infrastruktur-Verordnung für transeuropäische Energienetze. Mit dieser Verordnung konnten seit 2013 alle zwei Jahre Projekte eingereicht werden, die zur besseren Vernetzung, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit des Energiesektors in Europa beitragen – abgekürzt PCI (projects of common interest) genannt und mit EU-Geldern unterstützt. Die letzte Veröffentlichung dieser Liste sorgte für Kritik, da es einige Projekte gab, die auf fossilen Energieträgern basieren deren Beitrag zur Dekarbonisierung angezweifelt wird.

Grüne Energie braucht Speicher

Die EU-Kommission wird Ende des Jahres also einen neuen Vorschlag dieser Verordnung vorlegen. Die für uns vorrangige Frage: Sollen Gasinfrastrukturprojekte künftig überhaupt noch gefördert werden? Ein Schlüsselaspekt der Energiewende ist, dass ausreichend Energie-Speichersysteme zur Verfügung stehen, um eine stabile und durchgängige Energieversorgung sicher zu stellen. Elektrische Energie ist bei weitem nicht im benötigten Ausmaß speicherbar. Es gilt daher das enorme Speicherpotenzial von Gas zu nutzen und die Möglichkeiten der Umwandlung von nachhaltig erzeugtem Strom in grünes Gas als festen Bestandteil im Energiesystem der Zukunft zu verankern.

Je nach Ausgangslage setzen die EU- Mitgliedsstaaten bei den Klimazielen auf unterschiedliche Strategien und Geschwindigkeiten. Länder die bereits eine sehr gut ausgebaute und diversifizierte Energieversorgung haben, investieren schon jetzt verstärkt in klimaschonende Technologien wie Power to Gas oder Wasserstoff. Doch einige Länder sind weniger versorgungssicher bzw. sind im Ausbau ihres Energienetzes noch nicht so weit. Ein Umstieg von Kohle auf Erdgas bedeutet für sie mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung sowie eine hohe CO2-Einsparung. Daher wurden internationale Projekte, die das Energienetz in diesen Regionen verbessern, auch als PCI-Projekte eingestuft und entsprechend gefördert.

Zukunftsfitte Netze für Europa

Wie die Kritiker der letzten PCI-Liste angesprochen haben, sollte der Ausbau des Gasnetzes aber nicht nur dabei unterstützen einigen Ländern zeitnah den Ausstieg aus Kohle zu ermöglichen, sondern auch wesentlich zu einem langfristig zukunftsfitten Energiesystem für Europa beitragen. Dazu gehören die Fähigkeiten erneuerbare Gase zu integrieren, grünen Wasserstoff beizumischen und Energiesektoren zu koppeln – so kann die Gasinfrastruktur wesentlich zur Erreichung der Klimaziele und Europäischen Green Deal beitragen.

Einbindung aller Energiesektoren

Die neue Verordnung sollte daher Nachhaltigkeit klar definieren und Schwerpunkte zur Integrationsfähigkeit von Wasserstoff und dekarbonisierten Gasen beinhalten. Bisher hat die ENTSOG, die Dachorganisation Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas, eine Prognose erstellt, wo es in den nächsten Jahren Verbesserungsbedarf bei der Gasversorgung gibt. Auf Basis dieser wurde ein Netzentwicklungsplan erstellt und Projekte, die genau in den unterversorgten Gebieten an einem Ausbau arbeiteten, konnten sich für den Status eines PCI bewerben. Um den Energiehaushalt klimaneutraler zu gestalten, müssen alle Energiesektoren in diesen Prozess eingebunden werden. Projekte, bei denen Länder ein besser verzweigtes Gasnetz und damit Zugang zu mehr Versorgungsquellen bekommen, sollten auch weiterhin PCI-Status erlangen können – unter der stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten und der Fähigkeit auch technologische Neuerungen (Wasserstoff bzw. Sektorkopplung) miteinzubeziehen.

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